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10 Oktober 2017

Locorotondo – die Stadt des Weines

Locorotondo ist die Stadt des Weines, sie sieht aus wie ein Ring aus weißen Häusern. Die historische Altstadt gehört zum exklusiven Klub „Die schönsten Orte Italiens“. Sie bekam auch die „Orangene Fahne“ des Touring Club Italiano.

Nachdem meine Mutter und ich den Palazzo Morelli besichtigt hatten und die Kirche der Madonna della Greca (die älteste im Ort), machten wir einen Spaziergang an der „Uferpromenade“ – mit Blick auf das Tal von Itria. Nun ja, eigentlich liegt Locorotondo gar nicht am Meer, aber man sieht es ganz deutlich in der Ferne. An den Hängen wachsen Rosen inmitten der Rebstöcke mit ihren dunklen Trauben, und dann sehen wir Trulli, Olivenbäume und Bauernhöfe: Das wunderschöne Panorama bringt Mama zum Lächeln.

Papa wollte die Cummerse fotografieren, die Häuser mit den steilen Ziegeldächern. Dabei ist er wohl in den Gassen hängengeblieben, dort wo wir abends immer so lecker essen.

Mama ist wunderschön, wenn sie lächelt. Ganz gebannt schaut sie auf die Rebstöcke, als Papa zurückkommt. (Er hatte es geschafft, in den Uhrenturm zu gelangen.)

Dann fragte sie uns, ob wir bei der Weinlese mitmachen wollen: In Locorotondo gibt es einen VereinWeinlese auf der Terrasse“. Der bietet den Touristen an, mit den Einheimischen gemeinsam zu ernten. Mama war völlig aus dem Häuschen.

Und dann waren wir auch schon dabei. Papa hatte mit einem Weinbauern gesprochen. Der gab uns Werkzeug und wies uns eine Reihe zu. Leute aus Locorotondo und Touristen arbeiteten Hand in Hand.

Mama hatte sich ein Kopftuch umgebunden und schnitt die Weintrauben ganz liebevoll, fast zärtlich. Papa versuchte, es dem Bauern gleich zu tun, mit schnellen und sicheren Schnitten. Ich durfte keine Schere haben, deshalb schaffte ich die Trauben in kleinen Eimern fort. Dabei lernte ich Cécile kennen, ein Mädchen aus Frankreich.

Ich habe mir die üppigen Trauben genau angesehen und die roten Rosen, welche die Rebstöcke nicht nur schöner machen, sondern auch vor Parasiten schützen. „Gesundheitswächter“ werden sie genannt. Der Weinbauer hat gesagt, dass sie hier Primitivo, Weißwein und liebliche Weine machen und abfüllen.

Es war schön, und Mamas Freude hat mich angesteckt. Sie hat Papa umarmt, und beide waren richtig fröhlich. Locorotondo und diese Ferien in Apulien haben uns wieder zusammengebracht.

Heute Abend gibt es ein Fest auf einem alten Weingut, wo ich bestimmt auch Cécile wiedertreffen werde. Ich habe mir vorgenommen, ihr einen Kuss auf die Wange zu geben und ihr eine kleine Figur zu schenken. Die hab‘ ich einem Kunstgewerbeladen gekauft.

Wir werden bis San Rocco bleiben, dem Fest für den Schutzheiligen, haben sie gesagt. Fein, dann werden wir auch noch den Wettstreit um das schönste Feuerwerk sehen.

Und ich will der „Diana“ folgen, einer Musikkapelle, die morgens den Beginn des Festes ankündigt und abends durch die beleuchteten Straßen zieht – unter den wunderschönen Lichterketten. Diese Stadt werde ich für immer im Herzen bewahren. Sie gab mir die Wärme der Familie zurück und schenkte mir meine erste Liebe.

Danke an die Journalistin Grazia Rongo für ihren Rat